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Johannes Seiler
Johannes Seiler

Nach vielen Diskussionen wurde die Mehrwertsteuer in der Gastronomie zum 1. Januar 2024 wieder auf 19 Prozent angehoben. Wie geht es den Gastronomen damit? Bleiben die Kunden aus?

Wenn man in der Stadt ein Restaurant hat, hat man die Laufkundschaft“, sagt Beate Kapaun. Sie ist die Inhaberin der Gaststätte Distelklinge im Filderstadt – und damit außerhalb von Stuttgart: „Wir müssen schauen, dass wir unsere Gäste halten, dass sie wiederkommen.“ Es kämen weniger Familien und auch viel weniger größere Gruppen: „Das hat stark nachgelassen.

Unsere SWR3-Reporter haben bei Gastwirten aber auch bei Gästen nachgefragt, wie sich der gestiegene Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie auf sie auswirkt.

Nicht noch mehr Gäste zu verlieren sei eine schwierige Aufgabe, denn die gestiegenen Preise bringen selbst die Gastronomin an den Rand des zumutbaren. Beate Kapaun macht es an ihren Maultaschen fest: Ein Beilagensalat, zwei Maultaschen und Kartoffelsalat hätten bisher knapp 18 Euro gekostet. Das sei „schon viel“. Jetzt kostet das Menü 20,40 Euro.

Da muss ich selber schlucken.

19 Prozent Mehrwertsteuer in Gaststätten: Gäste geben weniger Geld aus

Die gestiegenen Preise spürt sie auch vor allem an der Reaktion ihrer Kundschaft. Im Januar sei normalerweise viel los in der Distelklinge – dieses Jahr sei es aber bisher sehr ruhig geblieben, sagt Kapaun. „Die Kunden sind sparsamer geworden“, sagt sie. „Sie verzichten auf eine Suppe vorneweg, sie verzichten auf einen Espresso. Desserts werden kaum noch verkauft.

Kapaun musste auf die Speisen in ihrer Gaststätte 14 Prozentpunkte aufschlagen – zwölf Prozent Mehrwertsteuer und zwei Prozent wegen gestiegener Mindestlöhne und Energiekosten. Wie die Distelklinge das ausgleicht? „Wir haben viele Stammgäste und unsere Gäste wissen die Qualität zu schätzen“, sagt Kapaun. Dazu komme, dass viele Gaststätten in der Umgebung schließen mussten: „Das tut mir sehr leid.

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Wirt aus Mainz bleibt bei den alten Preisen – vorerst

Ganz anders ist die Lage bei Christoph Kaster im Hafeneck in Mainz. Er hat die Preise noch nicht erhöht, weil er auf die Vielfalt seiner Gäste nicht verzichten möchte: „Ist natürlich ein Spagat, denn wir müssen auch wirtschaftlich denken.

Kaster geht davon aus, dass er im Sommer auch nicht mehr um Preiserhöhungen herumkommt, „wenn das Sommergeschäft losgeht und die Personalkosten noch mehr steigen“. Sein Ziel sei es, im Sommer auch tagsüber zu öffnen – nicht nur abends. Dafür fehlt im Moment aber das Personal.

Mainzer Wirt: Günstige Preise durch verschiedene Tricks

Deshalb bisher behilft er sich mit Tricks. Zum einen gibt es günstige Gerichte, die sich „Familien auch gut leisten können“ – aber auch teurere Gerichte. Und: „Wir werden mittags aufmachen, weil da das To-Go-Geschäft ganz gut läuft. Und da ist die Mehrwertsteuer ja noch bei sieben Prozent.

Aber auch Kaster merkt, dass die Kundschaft etwas zurückhaltender ist. Das sei auch bei jungen Leuten so, zum Beispiel bei den Studenten: „Die Leute, die dann abends kommen, die trinken dann ein oder zwei Getränke.“ Zum Essen kämen viele nicht. „Es ist auf jeden Fall weniger geworden.

Warum kam die Steuererhöhung?

Bevor die Steuererhöhung zum 1. Januar wieder kam, musste sie erst einmal gesenkt werden. Das passierte mit dem Corona-Steuerhilfegesetz vom 19. Juni 2020. Mit der Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent, sollte den Gastronomen geholfen werden. Denn die Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren, sorgten für große Umsatzverluste bei vielen Restaurants.

„Das schaffen wir nie wieder ab.“ – Fehlanzeige

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte in einer ARD-Talkrunde versprochen, die Mehrwertsteuer in der Gastro bei sieben Prozent lassen zu wollen: „Das schaffen wir nie wieder ab.“ Damals war er noch SPD-Spitzenkandidat. Ein paar Jahre später braucht die Bundesregierung aber Geld, denn das Bundesverfassungsgericht hat den Nachtstragshaushalt für verfassungswidrig erklärt.

Aus diesem Grund fängt man auch an der Mehrwertsteuer in der Gastro zu schrauben. Rund drei Milliarden Euro soll die Wiedererhöhung bringen. Als letzter Befürworter der niedrigen Steuer, springt auch schließlich die FDP ab und so kommt zum 1. Januar 2024 die Erhöhung auf 19 Prozent.

Unfaire Regelung? Lieferdienste zahlen nur sieben Prozent

Viele Gastronomen finden diese Regelung unfair. Lieferdienste zahlen für ihre Speisen nur sieben Prozent. Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges sagt:

Das ist eine Ungleichbehandlung gegenüber der Gastronomie. Wir verlangen, dass Essen in Deutschland einheitlich mit sieben Prozent besteuert wird.

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