Annika Sondenheimer hat bei dem Germanwings-Unglück ihren Mann Patrick verloren. Er war Flugkapitän der Germanwings-Maschine und wurde von seinem Co-Piloten während des Flugs aus dem Cockpit ausgesperrt. Auf Tonaufzeichnungen des Flugschreibers ist zu hören, wie er vergeblich versucht hatte, die Tür zum Cockpit zu öffnen und den Absturz des Flugzeugs zu verhindern.
Germanwings-Absturz: Interview mit der Witwe des Flugkapitäns
Im SWR3 Interview hat Annika Sondenheimer erzählt, dass sie den zehnten Jahrestag des Germanwings-Unglücks in Le Vernet in Südfrankreich verbringen wird. Das ist ganz in der Nähe des Unglücksortes. Vor ihrer Reise dorthin sagte sie, sie habe immer ein „mulmiges Gefühl“ in Frankreich zu sein.
Der 24. März ist für uns auch immer ein großer Tag der Unsicherheit, weil wir da wieder ganz schnell in diese Situation reingeworfen werden, wie es so vor zehn Jahren war.
Hier könnt ihr euch das ganze Interview anhören oder ihr lest einfach weiter: 👇

SWR3 PUSH Germanwings-Absturz: Interview mit Annika Sondenheimer
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Annika Sondenheimer hat bei dem Germanwings-Unglück ihren Mann Patrick verloren. Er war Flugkapitän der Germanwings-Maschine und wurde von seinem Co-Piloten während des Flugs aus dem Cockpit ausgesperrt. Im Interview mit SWR3 hat sie über ihre Rolle nach dem tragischen Flugzeugabsturz geredet.
Germanwings-Flugzeugabsturz 2015: So geht es den Kindern des Piloten heute
Mit nach Frankreich kommen auch die beiden Kinder von Annika Sondenheim. Sie waren zur Zeit des Absturzes erst drei und fünf Jahre alt: „Dadurch, dass sie früher noch sehr klein waren, ist das für sie schon heilsam, dort zu sein.“ Aber: Ihr verstorbener Mann ist nicht nur in der Nähe des Absturzortes für die Familie allgegenwärtig.
Das ist bei uns auch so, dass ich Patrick auch im Alltag immer wieder gedanklich um mich habe und ihn dann auch spüre. Von daher sage ich zu den Kindern ganz häufig, dass er immer da ist, wo wir sind.

Vor allem durch Erinnerungen und Orte sei die Familie weiter mit dem Vater verbunden. Dazu gehöre auch das Fliegen. Nach dem Unglück war das erst schwer für Annika Sondenheimer, erzählt sie im SWR3 Interview. Heute sehe es aber wieder anders aus: „Zu dritt fliegen wir seit vielen Jahren wieder, weil das auch eine Erinnerung ist, die die Kinder an ihren Vater haben.“
„Ich fliege mittlerweile auch wieder total gerne und mag es sehr über den Wolken zu sein – weil ich weiß, dass er es auch so sehr geliebt hat.“
Annika Sondenheimer wird nach Germanwings-Absturz selbst Trauerbegleiterin
Offenbar hat Annika Sondenheimer in ihrem Schicksal auch eine Berufung gefunden. Nach dem Unglück hat sie sich selbst zur Trauerbegleiterin ausbilden lassen und eine Stiftung gegründet, die den Namen ihres verstorbenen Mannes trägt.
Mir war es wichtig, anderen zu helfen, weil ich dieses Instrument der Trauerbegleitung für so sinnvoll erachte.
Als Trauerbegleiterin kommt sie in Familien, hört nach einem Verlust zu und ist einfach für die Betroffenen da. Im Fokus stehe momentan die Gruppe der jungen Heranwachsenden und jungen Erwachsenen, erzählt Sondenheimer.
Gerade diese junge Gruppe sei zum Beispiel beim Verlust eines Elternteils oder eines Partners oft noch nicht so emotional gefestigt. Als Trauerbegleiterin sei sie jemand, dem man „alles sagen kann, was man vielleicht nahen Familienangehörigen am Anfang nach einem Todesfall gar nicht immer sofort sagen kann“.
So geht es Annika Sondenheimer und ihrer Familie zehn Jahre nach dem Flugzeugabsturz bei Germanwings
Sie selbst ist überzeugt, dass ihr die Ausbildung zur Trauerbegleiterin geholfen hat, den schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. Wie es ihr heute geht? „Zehn Jahre nach dem Verlust geht es mir gut. Ich kann das so sagen. Ich lebe gut. Ich habe meine Arbeit, ich habe mein Ehrenamt. Die Kinder sind hier gut aufgefangen“, so Sondenheimer.
Tragödie in Washington: „Habt ihr das Flugzeug gesehen? Oh Gott...“
Eine vierteilige Doku der ARD Crime Time beleuchtet den Germanwings-Absturz vom Unglück über die Spurensuche und Trauer bis zur Schuldfrage. Hier könnt ihr euch den Trailer ansehen:
Co-Pilot hatte psychische Probleme: Gründe und Folgen des Germanwings-Absturzes
Nach dem Unglück wurde bekannt, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz seit Jahren Depressionen hatte. Laut Ermittlern musste er deshalb auch seine Pilotenausbildung in den USA unterbrechen. In den Wochen und Monaten vor dem Absturz soll er bei vielen Ärzten wegen seiner psychischen Verfassung gewesen sein. Er bekam Medikamente und eine Krankschreibung – auch für den Tag des Todesflugs. Die gab er allerdings nicht an seinen Arbeitgeber weiter.
Die Ermittlungen ergaben auch, dass Lubitz Tage vor dem Absturz im Internet recherchiert hatte, wie man sich umbringen kann. Außerdem hatte er sich mit den Sicherheitsvorkehrungen bei Cockpit-Türen beschäftigt.
Deutsche und europäische Behörden haben Konsequenzen aus dem Germanwings-Absturz gezogen. Seitdem wurden verschiedene Maßnahmen bei Krankschreibungen von Piloten getroffen. Außerdem wird die Psyche der Piloten stärker unter die Lupe genommen.
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