Ein schwules Paar in einem Berliner Problemviertel, eine schwangere Schülerin und ein Junge mit einem kriminellen Vater und einer alkoholkranken Mutter. Nein, „Amour Fou“ ist kein sozialkritischer Film mit Bonusleiche, sondern ein richtig guter Krimi.

Berlin erwacht. Kommissarin Rubin schleicht aus dem Nachtleben nach Hause. Kollege Karow betrachtet seine noch schlafende, langbeinige nächtliche Beute. Ein Mann schaut versonnen über das Tempelhofer Feld. Und auf der Schultoilette macht ein Mädchen einen Schwangerschaftstest. Wenig später werden sich die Wege all dieser Menschen kreuzen. Der Grund: Eine verkohlte Leiche in einem Schrebergarten, deren Anblick für den Mann von der Spurensicherung mit einem Scherz erträglicher wird. „Machste ein Schild dran, schickst es zur Documenta: Der Mann im Plastikliegestuhl.“

Enno Schopper heißt das Opfer, die Angehörigen werden informiert. Doch statt Frau Schopper öffnet Armin Berlo die Wohnungstür. Schoppers Mann. Die beiden haben sich nicht versteckt in einem Stadtteil Berlins, in dem Schwulsein ein Makel ist und Enno Schopper Lehrer an einer Gesamtschule war. „Er wollte immer da hin, wo es schwierig ist“, erklärt Berlo dem Kommissar. „Ich hatte ihm Afghanistan vorgeschlagen.“ „Neukölln tut’s für einen schwulen Lehrer ja dann auch“, kontert Karow.

Vor drei Jahren wurde Schoppers Auto angezündet, im Lehrerzimmer wurde die Parole auf die Wand gesprüht: „Erst die Schwuchtelkarre, dann die Schwuchtel“. Probleme gab es ja, muss auch der Schulleiter zugeben. Der hat Schopper am Tag zuvor beurlaubt, weil der was mit einem Schüler hatte. Angeblich. Ausgerechnet auch noch mit Duran, Kind aus schwierigen Verhältnissen, um den sich Schopper und sein Mann gekümmert haben. Ist das Motiv Eifersucht? Rache? Durans Freundin ist die mit dem Schwangerschaftstest.

Ein gefährlicher Mix

Es gibt bestimmt Tatortgucker, die das Ende der Geschichte schon am Anfang ahnen. Ich gehöre nicht zu diesen Schlauen. Ich hab’s erst ziemlich spät kapiert und dann auch den Anfang verstanden. Die Ratlosigkeit habe ich mit den Ermittlern geteilt.

Und wenn die Story auch zwischendurch etwas hängt, zum Schluss nimmt der Tatort richtig Fahrt auf. Mit den Ermittlern habe ich mich mittlerweile auch angefreundet. Mit Robert Karow, der Kurse für Chefs geben könnte, wie man Mitarbeiter noch besser demotiviert und mit der chaotischen Nina Rubin, die auf Dienstreise nach Cannes mit ihrem „brillanten“ Französisch glänzt.

Ein Tatort über Vorurteile, Gerüchte und den gefährlichen Mix, der daraus entsteht. Lohnt sich anzuschauen, drei Elche für „Amour fou“.

Autor/in: Brigitte Egelhaaf
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