Die USA sind bekannt dafür, dass scheinbar jeder jeden wegen allem Möglichen auf Schadenersatz verklagt. Auch wenn es am Ende doch nur eine „urban legend“ ist, dass dort auf Mikrowellen Warnhinweise angebracht seien, keine Haustiere darin zu trocknen – nachdem eine Frau genau das getan und dann den Hersteller verklagt haben soll, weil ... nunja ... das Tier aus der Sache nicht ganz lebend herausgekommen sei.
Schwere Verbrennungen durch Starbucks-Tee
Hier aber ein wahrer Fall: Michael Garcia, ein Kurierfahrer in Los Angeles (US-Bundesstaat Kalifornien), hat bei Starbucks drei Tees im Drive-in bestellt. Das war am 8. Februar 2020. Die To-go-Becher bekommt man fürs Auto in einem kleinen Tragetablett aus Pappe.
Laut Gerichtsakten floss Garcia der heiße Tee dann aber nicht wie erwünscht in den Mund, sondern in seinen Schoß. Die Folge: schwere Verbrennungen. Seine Anwälte sprechen zudem von dauerhaften Entstellungen. Ihr Mandant habe sich mehreren Hauttransplantationen und anderen Eingriffen an den Genitalien unterziehen müssen.
SWR3 Kalifornien-Korrespondent Nils Dampz erklärt, was genau passiert ist:

Nachrichten Heißer Tee: Starbucks muss Kalifornier 50 Mio. USD Entschädigung zahlen
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Die USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Entschädigungen. Ein Kurierfahrer aus Los Angeles ist jetzt 50 Millionen Dollar reicher. Er hat nicht im Lotto gewonnen, er wollte einfach nur Tee trinken.
Michael Garcia heißt der Mann, er hat sich den Tee in einem Laden einer großen Kette gekauft und die anschließend verklagt. Nils Dampz ist unser Korrespondent in Kalifornien – was ist da genau passiert?
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Verbrühte Genitalien: Klage gegen Starbucks wegen Fahrlässigkeit
Garcia verklagte die Kaffeekette wegen Fahrlässigkeit: Der Starbucks-Mitarbeiter habe den Tee nicht fest genug in das Tragetablett gedrückt, zudem seien die Deckel nicht richtig auf den Bechern gewesen. Ein Geschworenen-Gericht in Los Angeles gab ihm recht und sprach ihm eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar für vergangene und zukünftige Schäden, wie Schmerzen, zu.
Der Anwalt des Geschädigten sagte nach dem Urteil, die Geschworenen hätten Starbucks für die „eklatante Missachtung der Kundensicherheit und die mangelnde Übernahme von Verantwortung“ zur Rechenschaft gezogen.
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Das Unternehmen selbst teilte mit, man habe Verständnis für den Kläger, werde aber in Berufung gehen. Denn: „Wir stimmen den Geschworenen nicht zu, dass wir die Schuld an diesem Vorfall tragen, und halten die zugesprochene Entschädigungszahlung für zu hoch.“ Man habe sich bei der Übergabe heißer Getränke den höchsten Sicherheitsstandards verpflichtet.
Bevor der Fall vor Gericht ging, hatte Starbucks dem Kläger erst drei, dann 30 Millionen Dollar als Vergleich angeboten, wie CBS News berichtet. Garcia hätte demnach unter der Bedingung eingewilligt, dass sich das Unternehmen entschuldige und seine Vorgaben ändere – unter anderem, dass alle Mitarbeiter doppelt überprüfen, ob Heißgetränke sicher sind, bevor sie Kunden übergeben werden. Das habe Starbucks abgelehnt – und so ging die Sache vor Gericht.